In diesem Leitfaden zeige ich dir, wie du sowohl physische als auch digitale Prototypen deines eigenen Karten- oder Lernspiels entwirfst, erstellst und produzierst. Dabei kann es sich um ein Partyspiel, ein Vokabelspiel, ein Lernspiel oder sogar um einen Satz Lernkarten handeln. Das gesamte SalutCard-Team arbeitet nach dem unten beschriebenen Prozess, sodass dieser Leitfaden vollständig auf unseren eigenen Erfahrungen basiert. Natürlich ist dieser Ansatz nicht für jeden perfekt geeignet. Deshalb freuen wir uns über deine Ideen und Vorschläge unter [email protected]. Wer weiß – vielleicht veröffentlichen wir eines Tages sogar ein Buch über die Entwicklung von Kartenspiel-Prototypen. Also legen wir los – oder c’est parti (Französisch für „Los geht’s“).
Die Entwicklung eines eigenen Spiels braucht Zeit. Wähle deshalb ein Thema, das dich wirklich interessiert. Falls es dein erstes Spiel ist, halte es möglichst einfach. Nutze bewährte Spielmechaniken aus bestehenden Spielen, verzichte auf mehrere Kartenstapel und füge zusätzliche Komponenten wie Marker, Miniaturen oder Spielbretter nur hinzu, wenn sie wirklich notwendig sind. Dein erstes Spiel sollte so einfach wie möglich sein, damit du es tatsächlich fertigstellst und den gesamten Entwicklungsprozess einmal durchläufst.
Denke außerdem daran, dass das Entwickeln eines Kartenspiels ein iterativer Prozess ist: Erstelle zunächst eine einfache Version, teste sie, sammle Feedback, verbessere sie, sammle erneut Feedback, verbessere sie wieder – und wiederhole diesen Ablauf. Wahrscheinlich wirst du viele Aspekte deines Spiels während der Entwicklung mehrfach überarbeiten. Dieser Leitfaden basiert genau auf diesem Vorgehen.
Die Spielidee
Der erste Schritt besteht darin, eine Idee zu entwickeln und die grundlegenden Spielregeln aufzuschreiben. Wenn du das Spiel später kommerziell produzieren möchtest, solltest du bereits jetzt an die Herstellung denken. Spiele, die ausschließlich aus Papierkarten bestehen, lassen sich beispielsweise vergleichsweise einfach produzieren. Zusätzliche Komponenten wie Holz- oder Kunststoffteile, Marker oder andere Spielmaterialien machen die Herstellung deutlich aufwendiger, erhöhen die Kosten und schränken die Anzahl der Hersteller ein, die kleine Auflagen – etwa 100 Exemplare oder weniger – produzieren.
In dieser Phase reichen ein Notizbuch und ein Stift oder ein Texteditor wie Notion völlig aus, um Ideen zu sammeln und den grundlegenden Spielablauf sowie die Regeln festzuhalten. Idealerweise sammelst du Ideen über einen längeren Zeitraum, anstatt alles auf einmal entwickeln zu wollen. Außerdem solltest du entscheiden, welche Kartentypen und weiteren Spielelemente benötigt werden. Schreibe jetzt noch nicht das vollständige Regelheft und lege auch noch nicht alle Karten und Werte fest.
Ideen für das Kartendesign
Mit einer leeren Seite zu beginnen, ist oft schwierig. Nutze deshalb die Vorlagen von SalutCard oder hole dir Inspiration auf Pinterest (zum Beispiel in unserer Sammlung von Spielkarten, Markern und Spielbrettern). Erstelle in dieser Phase noch nicht das endgültige Design, da es sich nach den ersten Spieltests mit hoher Wahrscheinlichkeit ändern wird.
Behalte beim Entwerfen deiner Karten außerdem Folgendes im Hinterkopf:
- Denke über das Kartenformat nach. Kleinere Karten sind meist günstiger in der Produktion und lassen sich unterwegs leichter mitnehmen. Spiele wie Hygge oder Bandido sind gute Beispiele für kompakte Kartenspiele. Kleinere Karten reduzieren außerdem Versand- und Lagerkosten. Prüfe jedoch vorab, ob der von dir gewählte Druckdienst individuelle Kartengrößen unterstützt.
- Wenn du das Spiel für den privaten oder pädagogischen Einsatz entwickelst und zu Hause drucken möchtest, gestalte die Karten möglichst tintensparend. Vermeide große einfarbige Flächen und ziehe strukturiertes oder farbiges Papier in Betracht.
- Falls du deine Prototypen selbst ausschneiden möchtest, füge Schnittmarken hinzu, damit das Zuschneiden einfacher wird.
- Überlade die Karten in der ersten Version nicht mit zu vielen grafischen Elementen und investiere nicht zu viel Zeit in das perfekte Design, solange du noch nicht sicher bist, dass alle wichtigen Informationen enthalten sind.
- Erstelle datengesteuerte Kartendecks. Das bedeutet, dass du eine Kartenvorlage entwirfst, eine Tabelle mit Kartendaten (Titel, Punkte, Sterne usw.) anlegst und die Karten automatisch aus diesen Daten generieren lässt. Darauf gehen wir später noch genauer ein.
Karten und Kartendecks erstellen
Nachdem du deine Ideen gesammelt hast, kannst du mit der Erstellung der Karten beginnen. Wir verwenden dafür unsere eigene Anwendung SalutCard, um Spiele zu erstellen, zu testen und für den Druck vorzubereiten. Damit kannst du Kartenvorlagen erstellen, Kartendaten verwalten und deine Karten automatisch als druckfertige PDF-Dateien im A3- oder A4-Format exportieren, die sich zu Hause oder in einer lokalen Druckerei einfach ausdrucken lassen.
Anstelle von SalutCard kannst du selbstverständlich auch jedes andere Grafikprogramm verwenden. Bedenke jedoch, dass du deine Karten und Spielelemente wahrscheinlich viele Male ändern wirst. Dieselben Änderungen manuell auf Dutzenden Karten vorzunehmen, wird schnell zeitaufwendig und fehleranfällig.
Online-Spieltests
Bevor du etwas ausdruckst, solltest du dein Spiel zunächst am Bildschirm testen. Das Drucken und Ausschneiden von Prototypen – selbst zu Hause – kostet Zeit und gehört für viele zu den weniger angenehmen Aufgaben bei der Spieleentwicklung.
Es gibt verschiedene Werkzeuge für Online-Spieltests. Die meisten verlangen jedoch, dass du deine Grafiken aus einer Anwendung (zum Beispiel einem Grafikprogramm) exportierst und anschließend in ein anderes Tool importierst. Danach musst du meist zusätzlich festlegen, wie sich die einzelnen Spielelemente verhalten sollen.
Wir wollten diesen zusätzlichen Aufwand vermeiden und haben deshalb einen Online-Spiel-Editor direkt in SalutCard integriert. Dadurch stehen dir Kartendesign, Tabellen, Online-Spieltests und druckfertige Exporte in einer einzigen Anwendung zur Verfügung.
Physischer Prototyp
Nachdem du dein Spiel online getestet hast, ist es Zeit, die Karten auszudrucken und auszuschneiden. Verwende dafür Werkzeuge, die speziell zum Zuschneiden von A3- oder A4-Druckbögen entwickelt wurden, beispielsweise einen Papierschneider wie den Vaessen Creative 2207-108. Die Kartenecken kannst du anschließend mit einem Eckenstanzer abrunden, den du beispielsweise bei AliExpress oder in einem Bastelgeschäft erhältst.
Nach unserer Erfahrung dauert es etwa 60 bis 100 Minuten, um 100 Karten von Hand auszuschneiden. Investiere in dieser Phase noch keine Zeit in die Suche nach einem Hersteller für einen professionellen Prototypen. Fertige zunächst selbst einen Prototyp an, teste das Spiel, sammle Feedback und kontaktiere Hersteller erst dann, wenn sich das Spiel ausgereift anfühlt. Die Zusammenarbeit mit externen Produzenten bringt zusätzlichen Abstimmungs-, Produktions- und Versandaufwand mit sich. Deshalb lohnt es sich, damit zu warten, bis dein Design weitgehend feststeht.
Spieltests und Feedback sammeln
Versuche in dieser Phase, möglichst viel Feedback zu sammeln – insbesondere dann, wenn du dein Spiel verkaufen möchtest. Sei auf Kritik vorbereitet und notiere alles sorgfältig. Wenn du Rückmeldungen nicht sofort dokumentierst, wirst du später wahrscheinlich wichtige Details vergessen.
Du kannst dein Spiel online mit Menschen aus aller Welt testen (siehe Online-Spieltests), Familie und Freunde zum Mitspielen einladen oder physische Prototypen an Tester an anderen Orten verschicken. Besonders wertvolles Feedback erhältst du meist dann, wenn du selbst bei den Spielrunden anwesend bist. So kannst du beobachten, wie die Spieler vorgehen, Rückfragen stellen und erkennen, an welchen Stellen Schwierigkeiten auftreten.
Sobald du ausreichend Feedback gesammelt hast, wiederhole die vorherigen Schritte und entwickle dein Spiel weiter.
Wie SalutCard dich bei der Spieleentwicklung unterstützt
SalutCard ist ein Werkzeug zum Erstellen von Spielkarten mithilfe von Vorlagen und einem datengesteuerten Karteneditor. Damit kannst du Kartendesigns einfach aktualisieren, Kartendaten bearbeiten und druckfertige Dateien exportieren.
Der größte Vorteil ist jedoch, dass du dein Spiel online testen kannst, bevor du physische Prototypen drucken musst.
Falls du Fragen hast, kannst du uns jederzeit unter [email protected] kontaktieren.